der bildungsblog
  • Home
  • Gut zu wissen
  • Bissiges
  • Über uns
  • Click to open the search input field Click to open the search input field Suche
  • Menü Menü

Normale werden massiv diskriminiert

0 Kommentare/in Bissiges vom Balkon
PDF| Artikel drucken

Einer Minderheit anzugehören, das lohnt sich in unserer Gesellschaft. Minderheiten werden diskriminiert. Und diskriminiert werden, das hat was für sich. Denn flugs nehmen sich Juristen und Politiker – den Eigennutz geschickt hinter Barmherzigkeit versteckend – den Erniedrigten an. Sie setzen sich medial dafür in Szene, dass Toilettentüren politisch korrekt angeschrieben und dass Gremien nicht nach Kompetenz, sondern nach Quoten zusammensetzt werden. Sie kümmern sich rührend darum, dass uralte Glockenspiele (Melodie: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“) nicht die Gefühle empfindsamer Veganer verletzen¹. Und sie sorgen sich liebevoll darum, dass zerstörungswütige Chaoten besser behandelt werden als Parksünder.

Allerdings: Es gibt eine Ausnahme. Die am stärksten diskriminierte Minderheit – das sind nämlich die Normalen. Das sind jene, die nicht nur jeden Tag pünktlich zur Arbeit gehen, sondern das auch noch gerne tun, die ihre Rechnungen bezahlen, die den Abfall in die dafür vorgesehenen Kübel werfen und die „bitte oder „danke“ sagen. Traurig, aber ausgerechnet diese aussterbende Spezies verfügt über keine Lobby.

Eine Minderheit zeichnet sich gemäss der UNO-Deklaration zu den Minderheitenrechten von 1992 aus durch eine numerische Unterlegenheit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung, eine nicht-dominante Stellung im Staat und durch ethnische, religiöse oder sprachliche Unterschiede gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Das alles trifft für die Normalen in ganz besonderem Masse zu. Kein Wunder, will niemand mehr normal sein. Und da sie eben keine Lobby haben, um sich in Szene zu setzen, unternehmen sie alles, um ihre Zugehörigkeit zu dieser Minderheit vertuschen. Gerade auch den Kindern will man die Schmach ersparen, normal zu sein. Die Pathologisierung des Alltags ist Wasser auf die Mühlen dieser Bemühungen. Denn Diagnosen aller Art erweisen sich als äusserst dienlich. Ein Hochbegabten-Burnout macht sich besonders gut. Aber auch mit einer Harfenstrauchallergie kann man den Nachwuchs wirkungsvoll vom diskriminierenden Normalsein abgrenzen. Das erleichtert das Dasein aller Beteiligten. Denn von Normalen wird ja gemeinhin erwartet, dass sie Leistung erbringen und Verantwortung übernehmen. Mit einer Diagnose ist man quasi offiziell davon entbunden.

Dieser Tage erscheint das „Diagnostische und statistische Handbuch für psychische Erkrankungen“ (DSM: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). Es schreibt die Grenzen zwischen Normalität und Störungen fest und bestimmt so über Fördergelder, Rentenansprüche, Strafmasse, Therapien und Medikamente. Das heisst: Das Handbuch legt die Grenze fest zwischen „gesund“ und „krank“, zwischen „gestört“ und „normal“. Und die Grenzen sind deutlich nach unten verschoben worden. Was früher zur Normalität gehörte, wird heute durch eine Diagnose pathologisch salonfähig gemacht.

Das führte zu einer heftigen Debatte. Über zehntausend Mediziner wehrten mit der Begründung, durch die permissiven Definitionen und neuen Krankheitsbildern werde ein Heer von eingebildeten Kranken ausgehoben. An der Spitze der Kampagne, die in letzter Minute noch einige Änderungen abwenden konnte, stand der amerikanische Psychiater Allen Frances. Er sieht die Schwellen drastisch sinken. Vergesslichkeit und Zerstreutheit würden zur neurokognitiven Störung umgedeutet, Stimmungsschwankungen zur bipolaren Störung, Zorn zur Affektregulationsstörung. Aus allgemeinen Sorgen würden „Angst und depressive Störung, gemischt“, für reizbare und aggressive Kinder sei die „Disruptive Mood Dysregulation Disorder“ erfunden worden, für Schüchterne stehe die soziale Phobie bereit. Kurz: Ein unproblematisches Seelenleben kann bald nur noch der Haushaltsroboter führen. Wenigstens einer, der noch normal ist.


1
In Limburg (Hessen) wird das Glockenspiel des Rathauses vorerst nicht mehr das alte Volkslied «Fuchs du hast die Gans gestohlen» erklingen lassen. Grund: Eine Veganerin fühlte sich durch die Melodie in ihren Gefühlen verletzt.

Eintrag teilen
  • Teilen auf Facebook
  • Teilen auf X
  • Teilen auf WhatsApp
  • Teilen auf LinkedIn
  • Per E-Mail teilen
https://www.derbildungsblog.ch/wp-content/uploads/2017/03/graffitti.jpg 543 724 admin https://www.derbildungsblog.ch/wp-content/uploads/2015/11/bildungsblog_titel.png admin2017-03-08 10:16:282017-03-08 11:54:57Normale werden massiv diskriminiert
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

labelrund_fit_rot

Auf was es wirklich ankommt…

THEMENÜBERSICHT


1 Mentale Fitness
Mit Widerständen produktiv umgehen
Den inneren Schweinehund an der kurzen Leine führen
Sich aktiv um den Erfolg kümmern

2 Emotionale Fitness
An sich und seine Fähigkeiten glauben
Über der Sache stehen
Optimistisch in die Welt treten

3 Soziale Fitness
Bei sich selber anfangen
Gespür entwickeln für Menschen und Situationen
Sich respektvoll verhalten

4 Fachliche Fitness
Bei der Sache sein
Sich zu helfen wissen
Relevantes Wissen erweitern und verfügbar machen

5 Körperliche Fitness
Den Alltag bewegungsaktiv gestalten
Zu sich selber Sorge tragen
Sich körperlich anstrengen

Neueste Beiträge

  • INHIBITION: Stoppschild im Gehirn
  • Das Ende des Lustprinzips
  • Schonen schadet. Oder: Pädagogisches Hybridmodell
  • Eltern – Schreckgespenste vor dem Lehrerzimmer
  • Das Frosch-Prinzip. Oder: Zurück zur Erziehung

Kategorien

  • Auf was es wirklich ankommt
  • Bissiges vom Balkon

Weiterführende Links

Institut Beatenberg

lernenbewegt

Seiten

  • Bissiges
  • Gut zu wissen
  • Home
  • Inhalt der Themenreihe «Fit fürs Leben»
  • Karte
  • Lexikon
  • Links
  • Über uns
  • updatenet

Kategorien

  • Auf was es wirklich ankommt
  • Bissiges vom Balkon

Archiv

  • Juni 2018
  • März 2018
  • Februar 2018
  • Dezember 2017
  • August 2017
  • Juni 2017
  • Mai 2017
  • April 2017
  • März 2017
  • Januar 2017
  • September 2016
  • August 2016
  • Juni 2016
  • Mai 2016
  • April 2016
  • März 2016
  • Februar 2016
  • Januar 2016
  • Dezember 2015
  • November 2015
  • Oktober 2015
  • August 2015
© Copyright - der bildungsblog - created by roland noirjean
  • Link zu X
  • Link zu Dribbble
Link to: Einführung: Erfolg ist das Ergebnis vieler kleiner Siege über sich selbst Link to: Einführung: Erfolg ist das Ergebnis vieler kleiner Siege über sich selbst Einführung: Erfolg ist das Ergebnis vieler kleiner Siege über sich selbst Link to: Life is no sugarlicking Link to: Life is no sugarlicking Life is no sugarlicking
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen