Ist man ein schlechtes Vorbild, wenn man selber denkt?

Situation 1: Auf einer der kompliziertesten Kreuzung Englands – in Beverly (East Yorkshire) – sind sämtliche Ampeln ausgefallen. Und das sind nicht weniger als 42 Stück. Zwanzig verschiedene Verkehrsflüsse werden normalerweise durch die Lichter geregelt. Und an neun Stellen wird ein sicherer Übergang für Fussgänger geboten. Und plötzlich: Aus! Und, das grosse Chaos? Nein, keineswegs, das Gegenteil traf ein! Die ganze geballte Ladung aus Menschen und Blech bewegte sich vollkommen flüssig durch das Gewirr von Strassen. Die Menschen mussten einfach aufeinander achten. Und das taten sie.

Situation 2: Eine grosse Kreuzung in Buenos Aires, die Ampel steht auf Rot. Der Taxifahrer lässt sich dadurch nicht beirren. Er fährt einfach weiter. «Das Stoppsignal an der Ampel ist nur ein Vorschlag», erklärt er schmunzelnd, «aber ich muss halt auf die anderen Autos achten.» Und er ist bei weitem nicht der Einzige, der sich über die Rotlichter hinwegsetzt. Auffällig: Unfälle passieren deshalb nicht mehr als hierzulande.

Situation 3: An einem Fussgängerstreifen in einer grossen Stadt, das Ampelmännchen leuchtet rot auf. Weit und breit ist kein Auto zu sehen. Deshalb überquert ein Mann zielstrebig die Strasse. Ein Frau, die mit ihrem Kind vor der Ampel ausharrt, ruft ihm nach: «Sie sind ein schlechtes Vorbild für mein Kind.» Antwort des Mannes: «Nein, ich bin ein gutes Vorbild. Ich kann selber denken und entsprechend handeln.»

Alles soll bis ins Kleinste gesteuert werden, geregelt, in Bahnen gelenkt. Wenn die Ampel auf Rot steht, hat man zu warten, auch wenn sich von nirgendwo ein Auto nähert. Das macht zwar überhaupt keinen Sinn. Aber es ist gut geregelt. Ähnlich verhält es sich mit dem Verkehrsfluss durch die Schule. Wie an Ampeln werden die Schüler mit Stundenplänen und Jahrgangsklassen eingespurt und paketweise weitergereicht zur nächsten Kreuzung. Das produziert zwar Unmengen von Leerlauf. Aber es ist gut geregelt.

Was auf der Strecke bleibt, ist die Eigenverantwortung. Dabei ginge es um das. Genau um das: sich zuständig zu fühlen. Jetzt! Hier!

Stärke die Autonomie der kleinsten Einheit, muss deshalb die Devise lauten. Denn schliesslich sollen Lernende fähig werden, selber zu denken und verantwortungsvoll zu handeln.

PS: Wer mit der Herde geht, kann nur den Ärschen folgen.

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