Eltern – Schreckgespenste vor dem Lehrerzimmer

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Die Beziehung zwischen Eltern und Lehrerschaft ist meistens gar keine. Wenn man nichts miteinander zu tun hat, grenzt das schon fast an einen Idealzustand. Meldet sich die Schule zu Hause, ist meistens Ärger im Verzug. Und die Eltern erscheinen im Gegenzug auch nicht gerade als die grossen Helfer der ohnehin leidgeprüften Lehrerschaft. Im Gegenteil: Das Bild der anwaltlich unterstützten Überalldreinreder wird als Schreckensgespenst flächendeckend an die Lehrerzimmertüren gepinselt.

Eigentlich verrückt. Da gibt es Menschen auf diesem Planeten, die sind beruflich eng miteinander verbunden. Und letztlich sollten sie von den gleichen Interessen geleitet sein, vom Erfolg des einzelnen Lernenden nämlich. Dafür sind zwei Dinge erforderlich: Erstens eine Verständigung darüber, was aus welchen Gründen unter «Erfolg» zu verstehen ist. Und zweitens eine Klärung, wer welche Verantwortung dafür übernimmt. «Transparenz» heisst das Stichwort. Und «miteinander reden» die Verpflichtung, die sich daraus ergibt. Dabei ist klar: Die Verantwortung für einen interessierten und zielführenden Dialog liegt primär bei der Schule. Es ist ihre Aufgabe, aus Betroffenen Beteiligte zu machen. Und zwar systematisch. Entkrampft. Und proaktiv. Das setzt voraus, sich professionell und souverän aus dem Feld von Rechtfertigung und Schuldzuweisung verabschieden. Und das wiederum ist ungefähr das Gegenteil lustlosen Abarbeitens von Protokollformularen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Menschen, die mit Menschen arbeiten. Aber das ist vielleicht ein Knackpunkt: Das Bewusstsein, dass es um Menschen geht, um ihr Verhalten, um ihre Leistungen, um ihren Erfolg – und nicht um Schulstoff. Denn dem Schulstoff ist es Wurst, was man mit ihm macht. Und ob überhaupt. Aber den Schülern nicht. Und den Eltern in der Regel auch nicht. Zum Glück.

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